Seriös im richtigen Umfeld

Seriös & mit Renomee: Leben in der Fasanenstraße

 

Fasanenstraße – Zwei Kilometer lange Pracht

Ein prächtiges und langes – fast zwei Kilometer – Stück Berlin ist diese so berühmte Straße mit dem poetischen Namen Fasanenstraße. Früher hatte sie andere, weniger interessante Namen: Ringstraße II, Wolfenbütteler Straße, Gravelotter Straße. Aber allein der aktuelle seit 1901 geltende Name verrät den exklusiv vornehmen Charakter dieser historischen Seitenstraße des Boulevards von Kurfürstendamm. Um so mehr,  gedenkt man, dass die ursprünglich aus Asien stammenden Fasanen als exotische Luxusvögel des europäischen Adels galten und als Ziergeflügel eine prominente Rolle in der Geschichte der Kunst gespielt haben. Und wer nach einer guten Portion architektonischen Historismus des 19. Jahrhunderts sehnt und lebhaftes Interesse an der Wohnkultur um die Jahrhundertwende hat, wird sich hier wie zu Hause fühlen.

Zwischen zwei Stadtteilen

Die Fasanenstraße gehört zwei Stadtteilen. Im Süden gehört sie Wilmersdorf; im Norden Charlottenburg. Als handelte es sich um eine geografische Grenze, teilt das breite Flanierboulevard Kurfürstendamm die Fasanenstraße in Wilmersdorf und Charlottenburg, auf ähnlicher Weise, wie die Donau Budapest in Buda und Pest teilt. Unmittelbar nahe zum Kurfürstendamm, ist die Fasanenstraße ein urbaner Punkt, wo Vergangenheit und Gegenwart sich harmonisch treffen. Mag es am Kudamm manchmal hektisch werden, kann man schnell in der Fasanenstraße Zuflucht finden. Heutzutage ist die Atmosphäre dort immer locker und entspannt. Sehr beliebt sowohl von Berlinern, die ihre Stadt lieben, als auch von neugierigen und eifrigen Besuchern der Stadt besitzt die Fasanenstraße einen einzigartigen literarischen Flair, wie kaum eine andere Straße in Berlin. Es ist kein Zufall, dass das Berliner Literaturhaus sich hier befindet. Ein gutes Stück Berliner und deutscher Literaturgeschichte wurde hier und in der nahen Umgebung geschrieben. Das heutige Literaturhaus erinnert auf eine lebendige Art und Weise daran, indem es – neben seinem Schwerpunkt in der Literatur der Gegenwart – viele Lesungen und Ausstellungen zur literarischen Tradition des 19. Und 20. Jahrhunderts organisiert. Das vage Interesse des Publikums für solche Veranstaltungen mag darauf hinweisen, wie aktuelle und lebendig diese Tradition im heutigen kulturellen Bewusstsein ist.

Wo bleiben denn die Fasanen?

Fangen wir aber von diesem auffälligen Namen an. Obwohl die Fasanenstraße zu den schönsten Straßen Berlins und – nach der Meinung von vielen –  Deutschlands gehört, werden die kleinen Kinder und alle diejenigen, die auf ein Treffen mit den schönen Vögeln hoffen, leider zutiefst enttäuscht – das wird allerdings mit Sicherheit die erste und die letzte Enttäuschung und wird auch leicht zu kompensieren. Fasanen hat es aber hier schon gegeben, lange Zeit davor. Im Jahre 1775 hatte König Friedrich der Große auf der Fasanenstraße einen königlichen Fasaneriegarten anlegen lassen. Das war weder besonders originell noch eine Exzentrizität eines mächtigen Königs und seines Hofs. Es gehörte einfach zu den adeligen Sitten der Zeit. Denn jeder Fürst, der etwas für sich hielt, pflegte diese exotischen Vögel in seiner Nähe zu haben. Die wachsende Urbanisierung der Gegend hatte aber zur Folge, dass das fürstliche Gehege nach Potsdam verlegt werden sollte. Der Name ist bis heute geblieben, die königliche Fasanerie bleibt eine ferne, allzu ferne Erinnerung.

Geschichte einer Straße

In den Jahren nach der Reichsgründung in 1871 hatte sich die Fasanenstraße als Wohnsitz von adeligen und großbürgerlichen Familien durchgesetzt. Die bürgerliche Welt war damals höchst mobilisiert und die urbane Kultur wurde schnell zu einem Urbanitätskult, so übertrieben dies klingen mag. In den Städten hatte man das starke – oft sogar ambivalente – Gefühl, an etwas Großem und Wichtigem teilzunehmen, ohne richtig zu wissen was, das eigentlich ist. Kulturpessimismus und –Optimismus liefen Hand in Hand. Die Architektur gewann damals an Bedeutung als Vermittlerin zwischen Tradition und Modernität. Architekten leisteten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der neuen Wirklichkeit. Einer davon war Hans Griselbach, ein Stararchitekt seiner Epoche. Seine Niederlassung in unserer Straße stellt ein Meilenstein in der Geschichte von Fasanenstraße dar. Hans Grisebach hatte hier ein prächtiges Einfamilienhaus für seine Familie und seinen Atelier gebaut. Aber viel wichtiger ist, was er daneben baute: Grisebach war nämlich das naheliegende Restaurant Wintergartenensemble zu verdanken, das nach einem Beschluss der Stadt Berlin im Jahre 1986 zum heutigen Literaturhaus ausgebaut wurde.

Dann kamen zwei große verhängnisvolle Kriege. Vom Zweiten Weltkrieg wurde die Fasanenstraße nicht verschont. Wie hätte es denn in der Hauptstadt Deutschlands, und zwar in einer so zentralen Lage anders sein können? Ein großer Teil wurde zerstört, zum Glück aber wurden aufgrund von verschiedenen Initiativen viele historische Gebäude in der späteren Nachkriegszeit restauriert. Nicht, dass alle damit zufrieden waren. Es hat auch Widerstand gegeben. In den Siebziger Jahren galten die historischen Gebäude der Fasanenstraße als die Beispiele schlechthin für eine spießbürgerliche und verlogene Richtung in der Architektur. Sie waren für politisch inkorrekt gehalten, würde man heute sagen. Dabei verrät dieses Urteil mehr über den Zeitgeist als über den Gegenstand der Kritik in einer Zeit, in der Nostalgie entweder als Eskapismus pur oder als eine politisch reaktionäre Tendenz gesehen worden war und man eifrig suchte, sich für immer von einer Vergangenheit zu verabschieden bzw. sie zu verdrängen.

Auf der Fasanenstraße liegen einige der wichtigsten Gebäude nicht nur von den Stadtteilen Charlottenburg und Wilmersdorf, sondern vom Westen Berlins im Allgemeinen. Dies in Zusammenhang mit der zentralen Lage und die Kreuzung mit der Flaniermeile Kurfürstendamm könnten ausreichend erklären, warum die Fasanenstraße so populär ist. Der wahre Grund aber heißt anders.

Es ist das Literaturhaus Berlin, das die Quelle der Lebendigkeit der Fasanenstraße ist. Ein architektonisches Meisterstück mit einem imposanten Garten und einer der besten Buchhandlungen Berlins (Kohlhaas & Company Buchhandlung) ist das Literaturhaus nicht ein Tempel der Literatur, sondern es bietet auch kulinarische Gerichte, vorwiegend aus der deutschen Küche, und erlesene Kaffeespezialitäten im großen Stil eines Wiener Kaffeehauses. Das Café vom Literaturhaus ist ein Treffpunkt für Literaturliebhaber, etablierte Autoren und solche, die es werden wollen, Intellektuellen und all diejenigen, die in Cafés ihren zweiten Wohnsitz haben. Schlicht und edel sind seinen Innenräume und immer voll.  In den Sommermonaten kann man draußen sitzen und den Blick auf den zierlichen Garten mit einem Glas hausgemachter Limonade genießen, das von einem sehr höflichen Personal mit Schürzen serviert wird. Man muss aber oft großes Glück haben, denn diese Plätze sind immer heiß begehrt. In den Wintermonaten sind die Räumlichkeiten des Literaturhauses sehr gemütlich, vor allem der kleine Kaminraum, wo viele Haus- und Gastveranstaltungen stattfinden. Die kostbaren Veranstaltungen des Literaturhauses und das elegante und gemütliche Café sind die zwei Kardinalgründe, warum man immer wieder auf der Fasanenstraße landet. Auch wenn man es nicht geplant hat.

Literarische Prominenz

Wie es schon ersichtlich worden ist, dominiert die Literatur die Fasanenstraße und aus diesem Grund hat die Deutsche Literaturgesellschaft diese noble Nebenstraße von Kudamm als ihren Sitzort favorisiert (Fasanenstr. 61). Und sie ist in der Tat in guter, seriöser Gesellschaft. In der Nummer 61, in einem der schönsten Gebäude dieser Straße, einem architektonischen Meisterstück aus der Gründerzeit, erinnert eine Gedenktafel an einen der prominentesten Figuren der deutschen Literatur: Hier lebte von 1932 bis 1933/HEINRICH MANN/27.3.1871 – 12.3.1950/Schriftsteller und Essayist, kämpfte gegen Nationalsozialismus,/ Militarismus und/Obrigkeitsdenken (“Der Untertan”)./1931 bis 1933 Präsident der Sektion Dichtkunst/der Preußischen Akademie der Künste. Dort hat Heinrich Mann von 1932 bis zu seiner Emigration ein Jahr später gelebt. Heinrich Mann, ein unruhiger Geist mit großem Elan und feiner Milieubeobachter, besuchte mit Eifer die naheliegenden Nachtlokale, wo er seine spätere Ehefrau Nelly Kröger kennenlernte. Wichtig ist auch daran zu erinnern, wie die Schicksale der Namen, die mit der Fasanenstraße verbunden sind, oft miteinander verflochten sind. Heinrich Mann hat zusammen mit Käthe Kollwitz (und Albert Einstein) den dringenden Appell zur Aktionseinheit der kommunistischen Partei Deutschlands und der deutschen sozialdemokratischen Partei gegen den nationalsozialistischen Terror. Die mutige Tat hat zur Folge gehabt, dass sowohl Heinrich Mann als auch Käthe Kollwitz im Februar 1933– anderthalb Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler – aus der Akademie der Künste erzwungen ausgetreten sind.

Heinrich Mann war nicht der einzige prominente Schriftsteller, dessen Name mit der Fasanenstraße in Verbindung steht. Gerhardt Hauptmann, die Leitfigur der expressionistischen Literatur lebte in der heutigen Hausnummer 39, als die Straße noch unter dem alten Namen Gravelloter bekannt war. Die Gedenktafel, die sie es seit September 2008 am Haus Fasanenstraße 72 gibt, erinnert an Essad Bey, einen aserbaidschanisch-deutschen Schriftsteller und Orientalisten, der zehn Jahre von 1922 bis 1932 in Berlin als Exilant lebte und hier sein erstes Werk Öl und Blut im Orient verfasste.

Man wird schnell feststellen müssen, dass der schöne Schein trügt. Hinter der harmonischen bürgerlichen Fassade der Fasanenstraße haben keine weltferne Ästheten und träumerische Eskapisten, sondern gesellschaftlich engagierte Schriftsteller mit einem unbequemen wenn nicht gefährlichen Leben, die für ihre Ideale gekämpft haben und politische Literatur und Kunst im besten Sinne des heute befremdlich klingenden Terminus produziert haben. Noch ein Beispiel für diese kosmopolitisch gesinnten Freiheitskämpfer stellt der iranische Wissenschaftler und Antifaschist Tagi Erani (1903-1940) dar, der im Haus Fasanenstraße 22 gelebt hatte.

Das Beste aber haben wir zu Ende gelassen: Fasanenstraße Ecke Kudamm liegt ein imposantes Herrenhaus. Das ist der Geburtsort des „Mannes ohne Eigenschaften“ vom österreichischen Schriftsteller Robert Musik, eines Werks, das eine große Station in der Geschichte der deutschsprachigen Literatur darstellt. Ähnlich wie viele Schriftsteller, Künstler und andere Intellektuelle seiner Zeit auch hat Musil in Berlin für literarische Anregungen, Austausch und Inspiration gesucht, denn damals war Berlin neben Paris und Wien eine literarische Metropole Europas.

Einladung zu einem Gedankenexperiment

Wenn man diese Hintergrundinformationen hat, begibt man sich, ohne dessen bewusst zu sein, in eine virtuelle Reise. Als Leitfaden dient die fantasievolle Rekonstruktion der Epoche, die mit jedem Schritt stattfindet. Als begäbe man sich in eine Zeitreise, versucht man vorzustellen, wie die Leute aussahen, wie sie sich grüßten, wie sie damals lebt. Allmählich beginnt man, ihnen nachzufühlen. Ein attraktives Gedankenexperiment lautete: Wie wäre es, wenn man sich plötzlich zurück in den Dreißiger Jahre fand und seine Lieblingsschriftsteller begegnete? Moment mal, ist dies nicht der Fall im Woody Allens Film Midnight in Paris, wo der sympathische Protagonist, der Drehbuchautor ist und Romancier werden will, in die Vergangenheit gebeamt wird und seinen großen literarischen Idolen Francis Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway in Paris begegnet? Vielleicht ging es Woody Allen so, als er sich in den grandiosen Pariser Boulevards flanierte. Wenn so ein Szenario für Berlin denkbar wäre, dann wäre die Filmkulisse sicher die Fasanenstraße. Dann könnte man vielleicht abends Heinrich Mann und Robert Musik begegnen.

Noch mehr Prominenz

Die Fasanenstraße lebt von der Kultur. Dort findet sich auch ein Museum, das einer großen Künstlerin des deutschen Expressionismus gewidmet ist. Damit ist das viel besuchte Käthe-Kollwitz-Museum Berlin gemeint. Eröffnet wurde dieses private Museum im Jahre 1986 von dem Berliner Maler und Kunsthändler Hans Pels-Leusden. Das Museum ist unter dem Dach eines Palais im spätklassizistischen, eklektischen Stil mit gotischen und barocken Schmuckfiguren, das im Krieg halbzerstört, dann aber restauriert wurde. Es liegt in unmittelbarer Nähe zum Literaturhaus zur großen Freude aller Besucher Berlins. Dem Käthe-Kollwitz-Museum folgen viele Galerien und hübsche Läden aus dem Geist der Kunst.

Nicht nur das. Die Schönheit, die Affinität zum Zentrum und die kontemplative Stimmung dieser Straße hat viele außerordentlichen Menschen gelockt, die nach Berlin gekommen waren. Die Reihe der distinguierten Personen, die in der Fasanenstraße ihren Wohnsitz hatten, ist lang. Darunter finden sich die dänische Stummfilm-Schauspielerin Asta Nielsen, die in vielen Filmen der Zwanziger und Dreißiger Jahre brilliert hat und nach Dänemark zurückkehrte, als die Nazis in die Macht kamen, der SPD-Politiker und preußischer Innenminister Rudolf Breitscheid, Ulrich von Hassel, der zum Kreis der Hitler Attentäter um Graf Stauffenberg gehörte, die russische Tänzerin und Choreografin Tatjana Gsovsky, die in der Nummer 68 wohnte und dort auch eine eigene Tanzschule betrieb, und – welche Überraschung in einer betont säkulären Stadt, wo Katholizismus wie ein Fremdwort klingt– , auch ein Papst, Pius XII.

Von Menschen und Gebäuden

Wenn das alles zu sehr an vergangene Glorie erinnert, sollte man sich wirklich keine große Sorge machen. Die Fasanenstraße ist zum Glück facettenreich und seriös genug, um alle Geschmacksrichtungen und Vorlieben zu befriedigen. Denn es gibt auch eine starke moderne Seite, die von modernistischer Architektur geprägt ist. Zu erwähnen sind hier u.a. das Ludwig-Erhard-Haus, das Hotel Kempinski, die Volkswagen Bibliothek der Technischen Universität Berlin.

Das Hotel Kempinski war früher eine Legende. Diese Legende hieß für Freunde und Gäste „Kempi“. Hier waren sie alle da! Größen aus der Welt des Films, der Musik und der Politik wie Gina Lollobrigida, Cary Grant, Ava Gartner, Sophia Loren, Dalai Lama, Mick Jagger, Fidel Castro oder Michail Gorbatschow gehören zu der langen Gästeliste der Kempinski-Prominenz, als noch Westberlin mitten im Kalten Krieg wild und eine quasi utopische Stadt für Rockstars und Avantgardisten war. Feine Berliner Hotellerie im besten Sinne bis heute, so lässt sich die Geschichte von Kempinski kurz zusammenfassen. Das Café mit seiner halbrunden Terrasse ist für einen idealen Beobachter gedacht, der ungestört Berlinspotting treiben kann und dabei seinen Kaffee genießen. Heute ist es genauso beliebt wie damals und die internationale Prominenz von heute (darunter Bob Dylan, Hannelore Elsner, Eva Padberg, Liza Minelli Veronica Ferres, Henning Mankell) fühlt sich hier besonders wohl.

Berlin gilt als die größte jüdische Gemeinde Deutschlands. Die Fasanenstraße ist auch für die jüdische Kultur Berlins von enormer Bedeutung. Hier findet sich das Jüdische Gemeindehaus, genau an dem Ort, wo früher eine Synagoge lag, die in der Pogromnacht im Jahre 1938 zerstört worden war. Am Eingang des Gemeindehauses, wenn man auf die Fassade blickt, kann man einzige erhaltenen Bruchteile aus der Fassade der zerstörten Synagoge sehen. Eine Gedenktafel erinnert an die Widerstandskämpferin gegen Nationalsozialismus Recha Freier, eine Lehrerin und Dichterin, die als Gründerin der Organisation „Kinder- und Jugend Alijah“ das Leben von Tausenden Kindern und Jugendlichen rettete.

Ein anderes Hotel auf der Fasanenstraße ist das Savoy Hotel, 1929 von Heinrich Straumer gebaut. Es handelt sich um ein historisches Hotel, das unter Denkmalschutz steht, und von vielen bedeutenden Menschen geliebt worden ist. Heinrich Manns jüngerer Bruder Thomas war hier zu Gast und fand das Hotel „sympathisch und behaglich“. Savoy war außerdem der Rückzugsort von Romy Schneider. Die berühmte Schauspielerin schätzte die Diskretion des Hotelpersonals sehr. Ihr Eintrag im Gästebuch von Savoy lautete: „Gott sei Dank ruhig!“ Übrigens – Greta Garbo und Maria Callas waren auch da!

Der Delphi Filmpalast zählt zu den ältesten und schönsten Kinos Berlin. In den Dreißiger und Vierziger Jahren war dort eins der beliebtesten Tanzlokale Berlins. Die Umwandlung zum Kino fand im Jahre 1955 statt. Die Fassade vom Delphis Eingang mit den zwei großen Säulen und dem zierlichen Garten vorne ist ein Meisterstück, das jeden imponiert. Nacht wird alles noch schöner durch eine dezente Beleuchtung, die die Eleganz dieser Fassade unterstreicht. Es ist nur konsequent, dass viele Premieren des internationalen Kinos und auch Berlinale-Vorstellungen dort stattfinden. Dieses renommierte Kinohaus verfügt über noch eine starke Karte. Diese heißt Quasimodo. Damit ist der legendäre Jazz-Klub gemeint, der sich im Keller vom Delphi befindet. Die Liste aller, die seit 1969 dort aufgetreten sind, ist unendlich lang. Quasimodo hat Konzerte von Jazz und Cross-over gastiert und über die Jahre ein fanatisches Publikum von jüngeren und älteren Musikfans gesammelt.

Das Ludwig-Erhard-Haus, wo die Industrie- und Handelskammer Berlins beherbergt wird, ist der Ort, wo das Herz der Finanzwelt der City-West schlägt. Das widerspiegelt sich in aller Klarheit in der Architektur des Gebäudes. Dieses architektonische Meisterwerk, gebaut vom Stararchitekten Nicolas Grimshaw, imponiert jeden, der an ihm vorbei läuft. Runde Stahlbögen, die einer Brücke ähnlich sind, und viel Glas samt klobigen Tatzen, die sehr diskret auf den deutschen Bundesadler verweisen, verleihen dem Gebäude eine einzigartige moderne Dynamik, die für das Wirtschaftswunder der Bundesrepublik Deutschland repräsentativ ist, nach dem vielsagenden Motto In der Ruhe liegt die Kraft.

Die Volkswagen-Bibliothek ist seit 2005 die neue Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin und der Universität der Künste, das wohl jüngste Gebäude der Fasanenstraße, zeigt die attraktive Seite von schlichter Funktionalität. Klare Kanten, Transparenz und Breite lauten hier die Leitmotive. Umgeben von viel Grün und gegenüber vom Campus der Technischen Universität und ein Paar Meter vom Bahnhof Zoo entfernt, ist sie ideal gelegen. Die nächste Nähe zum Campus und die geräumige Fußgängerzone, die die Volkswagen-Bibliothek zu einem beliebten Treffpunkt von Studenten und Mitarbeiter der Universität machen, sorgen für eine große Lebendigkeit in allen Jahreszeiten. Denn dort wird gelesen, getroffen, geflirtet: alles, was zu einer guten Bibliothek gehört.

Auf dem Weg zur Universitätsbibliothek wird man oft mit Musik empfanden. Denn auf der linken Seite der Fasanenstraße, ein Paar Meter, bevor man die Bibliothek erreicht, befindet sich der Konzertsaal der Universität der Künste, eins der ersten Nachkriegszeitbauprojekte, der unter Denkmalschutz steht. Wenn man Glück hat, kann man etwas von den Proben der Studierenden mitbekommen.

Gegenüber von dem Konzertsaal der Universität der Künste liegt der sozusagen modernistische Teil der Fasanenstraße. Das mag wenig verwundern, denkt man daran, dass hier das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung wie auch der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ihren Sitz haben. Was hier auffällt, ist nichts anderes, als dass es im Gelände viel Raum für künftige Bauexperimente gibt. Das stille Wesen dieser Seite bereitet für die Musik der Zukunft vor. Hier wird deutlich, dass Berlin als Baustelle in progress gedacht wird. Die mehrteilige Skulptur – oder besser Skulpturensemble – , die vorne und im Innenhof liegt, drückt dies genau aus. Sie heißt Stadtzeichen und ihr Urheber ist Otto Herbert Hajek.

Fazit

Die Fasanenstraße ist lebende Geschichte mit einer bedeutsamen Vergangenheit, eine dynamische Gegenwart und – warum nicht – eine vielversprechende Zukunft, wenn man das wachsende Tempo der City-West in den letzten Jahren in Betracht zieht. Von den neuesten Entwicklungen in diesem Stadtteil kann die Fasanenstraße nur profitieren. Die Fasanenstraße steht für die zwei Säulen Berlins, für Technik und Literatur, für Erinnerung und Zukunft. Es ist eine Straße, die sich mitten im Zentrum von Westberlin befindet, und doch so ruhig, wie eine Oase wirkt. In einer Stadt, die immer hektischer wird, ist die kontemplative Stimmung der Fasanenstraße ein Segen für alle, die lange Spaziergänge genießen, aber auch für all diejenigen, die Literatur besonders lieben und regelmäßig private literarische Touren unternehmen.

Alt-, Neu-, und Wahlberliner und die unzähligen Gäste aus der ganzen Welt sind in ihrem Urteil einig. Die Fasanenstraße ist ein wesentlicher Grund, damit man sich in Berlin verliebt. Denn sie lädt immer dazu ein, den literarischen Flair der Stadt neu zu entdecken und Autoren zu lesen, die die Stadt und Deutschland bis heute geprägt haben. Die vielen Gedenktafeln sind optimale Wegweiser für diese kurze Reise in die Belle Epoque Berlins. Das Literaturhaus bietet sich dafür als idealer Ausgangspunkt, nachdem man die vielen Bücher über die literarische Welt Berlins von Kohlhaas und Company durchgeblättert hat.

Und auf dem Weg durch die literarische Geschichte schauen Sie gerne auch
in der Deutschen Literaturgesellschaft vorbei – und werden
durch eine Buchveröffentlichung
selbst Bestandteil dieser beeindruckenden Geschichte!