Yongi oder die Kunst, einen Toast zu essen (Lee-Schmidt)

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Von Korea nach Deutschland – Die packende Lebensgeschichte einer starken Frau!

 

Als ich ein Kind war, wollte ich Reis essen. Ich war zu klein, um zu verstehen, warum wir keinen Reis essen konnten. Auch die zerschundenen Hände meiner Mutter brachten mich nicht zum Nachdenken. Ich dachte nur: „Das ist wohl so.“

Die Antwort fand ich eines Tages in Gestalt einer reichen Frau, die bei meiner Mutter auf dem Markt Gemüse kaufte.

Da wurden mir die gesellschaftlichen Unterschiede mit einem Male klar.

Als ich am 12. November 1974 hastig meine Koffer gepackt hatte, sagte ich mir, als ich hinter weinenden Menschen in ein Flugzeug stieg, welches ich bisher nur auf Bildern gesehen hatte: „Du schaffst das!“

Ich wusste nicht, ob das, was oder wie ich es machte, gut war. Doch ich prägte mir diese Worte in schweren Zeiten und wenn mir zum Heulen zumute war, ein: „Du schaffst das!“

 

 

Yongi oder die Kunst, einen Toast zu essen, Young-Nam Lee-Schmidt, Taschenbuch, 321 Seiten, 14,80€

Artikelnummer: 978-3-03831-171-3 Kategorien: ,

1 Bewertung für Yongi oder die Kunst, einen Toast zu essen (Lee-Schmidt)

  1. Guido Müller, Studiendirektor im Ruhestand, Hamburg

    Was für ein Buch – die Begegnung mit einer starken Frau, die ehrlich und ungekünstelt ihr Leben erzählt, spontan und etwas unsystematisch, dafür aber sehr authentisch und umso sympathischer. Es handelt von einer Kindheit in bitterer Armut auf dem Lande im Korea der Nachkriegs-zeit, vom Erkämpfen von Bildungschancen bis hin zum Abschluss des Gymnasiums und des Studiums als Krankenschwester in Seoul. Die Autorin berichtet von ihrem Ethos konfuzianischer und christlicher Prägung, von ihrem Willen einen sehr modernen eigenen Weg zu gehen und vom Durchsetzen ihres Wunsches in Deutschland zu arbeiten, im Konflikt mit der traditionellen Unterordnung unter den Willen der Eltern und der Großfamilie.
    Das Buch gibt Zeugnis vom Leben in einer asiatischen Kultur und von dem Schock der Fremdheit eines so anderen Lebens im Deutschland der 1980er Jahre. Es lässt einen die Ängste und (Miss)-Verstehensprozesse der jungen koreanischen Krankenschwester an einer deutschen Klinik miterleben, die sich aufgrund der sprachlichen Hürden sowie der völlig unterschiedlichen kulturellen Erwartungen und Gepflogenheiten abspielen und man darf Anteil nehmen an den erfolgreichen Selbstverwirklichungs-Versuchen, an den neuen Freiheiten und mutigen Schritten auf dem Weg der Integration in eine für sie so fremde Welt.
    Nach gut drei Jahren Leben und Arbeiten in Deutschland zurück in der Heimat, erkennt sie ihre Entfremdung von der dortigen gesellschaftlichen Erwartungen und beschließt dauerhaft nach Deutschland zurück zu kehren. Young-Nam Lee heiratet einen deutschen Mann, was für die koreanische Verwandtschaft einem Verrat an der “sauberen Nation” gleichkommt und sie berichtet von der vorsichtigen nachträglichen Annäherung an die dortige Familie aber auch sehr offen von vielen mühsamen, notwendigen interkulturellen Klärungen in der eigenen Ehe.
    In Hamburg engagiert sie sich als gewählte ehrenamtliche Leiterin der Koreanischen Schule und in verschiedenen Vereinen, die dem Zusammenhalt der koreanischen Krankenschwestern dienen, die vor Jahren gemeinsam ihre Arbeit in Deutschland begonnen hatten, sowie als Journalistin für eine in Deutschland und in Korea erscheinende Zeitung.
    Ihre Kinder werden von den Eltern bilingual erzogen, erhalten eine konsequente Ausbildung auf der Basis beider kultureller Hintergründe und gewinnen bei vielen z.T. längeren Besuchen in Korea einen engen positiven Bezug zu den Menschen dort und ihrer Kultur.
    Das Buch ist mit augenzwinkerndem Humor geschrieben und lässt den Leser einen Einblick nehmen in den nicht unkomplizierten Weg einer gelungenen Integration in Deutschland.
    Es ist ein liebenswürdiges und lesenswertes Buch über eine deutsch-koreanische Familie in Hamburg und ihrem Leben in zwei Welten.

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