1 Bewertung für Yongi oder die Kunst, einen Toast zu essen (Lee-Schmidt)

  1. Guido Müller, Studiendirektor im Ruhestand, Hamburg

    Was für ein Buch – die Begegnung mit einer starken Frau, die ehrlich und ungekünstelt ihr Leben erzählt, spontan und etwas unsystematisch, dafür aber sehr authentisch und umso sympathischer. Es handelt von einer Kindheit in bitterer Armut auf dem Lande im Korea der Nachkriegs-zeit, vom Erkämpfen von Bildungschancen bis hin zum Abschluss des Gymnasiums und des Studiums als Krankenschwester in Seoul. Die Autorin berichtet von ihrem Ethos konfuzianischer und christlicher Prägung, von ihrem Willen einen sehr modernen eigenen Weg zu gehen und vom Durchsetzen ihres Wunsches in Deutschland zu arbeiten, im Konflikt mit der traditionellen Unterordnung unter den Willen der Eltern und der Großfamilie.
    Das Buch gibt Zeugnis vom Leben in einer asiatischen Kultur und von dem Schock der Fremdheit eines so anderen Lebens im Deutschland der 1980er Jahre. Es lässt einen die Ängste und (Miss)-Verstehensprozesse der jungen koreanischen Krankenschwester an einer deutschen Klinik miterleben, die sich aufgrund der sprachlichen Hürden sowie der völlig unterschiedlichen kulturellen Erwartungen und Gepflogenheiten abspielen und man darf Anteil nehmen an den erfolgreichen Selbstverwirklichungs-Versuchen, an den neuen Freiheiten und mutigen Schritten auf dem Weg der Integration in eine für sie so fremde Welt.
    Nach gut drei Jahren Leben und Arbeiten in Deutschland zurück in der Heimat, erkennt sie ihre Entfremdung von der dortigen gesellschaftlichen Erwartungen und beschließt dauerhaft nach Deutschland zurück zu kehren. Young-Nam Lee heiratet einen deutschen Mann, was für die koreanische Verwandtschaft einem Verrat an der “sauberen Nation” gleichkommt und sie berichtet von der vorsichtigen nachträglichen Annäherung an die dortige Familie aber auch sehr offen von vielen mühsamen, notwendigen interkulturellen Klärungen in der eigenen Ehe.
    In Hamburg engagiert sie sich als gewählte ehrenamtliche Leiterin der Koreanischen Schule und in verschiedenen Vereinen, die dem Zusammenhalt der koreanischen Krankenschwestern dienen, die vor Jahren gemeinsam ihre Arbeit in Deutschland begonnen hatten, sowie als Journalistin für eine in Deutschland und in Korea erscheinende Zeitung.
    Ihre Kinder werden von den Eltern bilingual erzogen, erhalten eine konsequente Ausbildung auf der Basis beider kultureller Hintergründe und gewinnen bei vielen z.T. längeren Besuchen in Korea einen engen positiven Bezug zu den Menschen dort und ihrer Kultur.
    Das Buch ist mit augenzwinkerndem Humor geschrieben und lässt den Leser einen Einblick nehmen in den nicht unkomplizierten Weg einer gelungenen Integration in Deutschland.
    Es ist ein liebenswürdiges und lesenswertes Buch über eine deutsch-koreanische Familie in Hamburg und ihrem Leben in zwei Welten.

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