Unser Jugendbuchpreis

Einmal im Jahr vergibt die Deutsche Literaturgesellschaft den Jugendpreis des Jahres. Hier können Sie Ihren Beitrag einreichen.

Angefangen hat alles im Jahr 2017, als uns die damals 15-jährige Henriette Settmacher mit der Einreichung ihres Manuskriptes »Hinter dem Spiegel« überrascht hat.

In so jungen Jahren ein derart umfassendes, gut strukturiertes, fantasievolles Werk zu schreiben, war für uns ungewöhnlich und beeindruckend. Da war klar: Wir müssen was machen, um unsere jungen Autoren zu fördern. Also riefen wir den Preis für das Jugendbuch des Jahres ins Leben und geben Jugendlichen bis 16 Jahren die Chance, eine Buchveröffentlichung zu gewinnen. 

In diesem Jahr haben wir so unterschiedliche Einreichungen bekommen, dass uns die Entscheidung sehr schwer fiel. Nach langem Hin und Her sind wir nun stolz, unser Jugendbuch 2018 präsentieren zu dürfen:

»Winter, wenn Sommer, Frühling oder Herbst vollkommen unwichtig sind« von Nicole Allwang. Mit ihrer Professionalität und einem ungewöhnlichen Thema hat sie uns überzeugt. 

Nicole Allwang – Jugendbuchpreisträgerin 2018


Eine Autorin stellt sich vor!

Ich war der kleine Rotschopf, der alles ganz genau wissen wollte und dem nie die Fragen ausgingen, der auf dem Land in einem kleinen Oberpfälzer Dorf aufgewachsen ist und noch Dreck gegessen hat, wie so manche meiner Kindergartenfreunde auch.Jugendbuchpreis 2018

Aber so wild ich damals auch war – man mochte es nicht glauben – ich konnte es kaum erwarten, in die Schule zu kommen. Und zwar nur aus einem Grund: um das Lesen zu lernen. Das mit den Zahlen, und dem Rechnen und so, reizte mich damals gar nicht – tut es auch heute noch nicht – aber ich wollte unbedingt diese geheimnisvollen Buchstaben lesen können.

Da ich aber ein sehr ungeduldiger Mensch war, und immer alles sofort haben wollte (das ist auch heute noch so), habe ich angefangen, meine eigenen Geschichten zu malen. Meine Mutter musste dann den Text dazu schreiben, welchen ich ihr diktierte.

Von da an war mir klar, dass ich einmal ein Buch schreiben werde und meine Mutter wusste, dass sie es bei mir mit einem besonders schweren Fall zu tun hatte.

Das mit dem Buch hat allerdings noch gedauert, bis ich 14 war. Das war der Zeitpunkt, an dem ich dem Epp-Stein-Barr-Virus zum Opfer gefallen bin und deswegen mehrere Wochen das Haus nicht verlassen durfte. So entstand also mein erstes Buch – aus purer Langeweile, um es korrekt auszudrücken.

Jetzt bin ich 16 Jahre alt und versuche immer noch auf meine Weise perfekt zu sein. Ich liebe den Geruch von neuen Büchern, den Duft, wenn es geregnet hat, und kann nicht leben, ohne jeden Tag mindestens einen Apfel zu essen. Ich gehe auf ein musisches Gymnasium und spiele schon seit Ewigkeiten Trompete und Klavier.

Im Prinzip habe ich mir nicht zugetraut, dass ich es wirklich schaffen würde, dieses Buch zu beenden. Geschweige denn, es überhaupt anzufangen, denn als ich begann, mich mit Winter zu befassen, hatte ich wahrhaftig nur den Namen »Winter« in meinem Kopf.

Ich wusste weder wer Winter war, noch was es mit ihr auf sich hatte. Ja, ich glaube sogar, dass ich nicht einmal wusste, woher ich diesen Namen überhaupt kannte oder wie ich auf ihn gekommen war. Jedenfalls begann ich mir zu überlegen, wer Winter sein könnte, wie sie wohl aussieht und wie ihr Charakter ist. Aber so sehr ich auch versuchte, mein Buch zu planen, so wirklich funktioniert hat das nicht. Das ist wohl einer der Gründe, warum ich schließlich einfach zu tippen begann – mit zwei Fingern.

Natürlich hatte ich noch andere Dinge im Kopf: Zum Beispiel stand für kurze Zeit zu Debatte, Winter könnte auch gesichtsblind sein, aber das verwarf ich schnell wieder. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich auf Seite 8 meines Buches (damals noch aus der Sicht von Winter). Doch als ich endlich wusste, was Winters Geheimnis war, löschte ich alles was ich bis dorthin hatte sofort wieder, und begann von neuem. Diesmal allerdings aus der Sicht von niemandem.

Und dann, ja dann stockte ich, als ich auf Seite acht war noch einmal, knallte den Laptop zu, und ließ das Schreiben erst einmal eine ganze Woche lang sein, weil ich keine Ahnung hatte, in wem ich gelandet war. War es eine neutrale Person? War es ein Junge? War es ein Mädchen?
Nach einer ganzen Woche nachdenken, klappte ich den Laptop also wieder auf, betrachtete ihn skeptisch und las alles, was ich bisher geschrieben hatte noch einmal. Da wurde mir klar, dass ich definitiv eine Erzählerperson brauchte. Eine Rolle, in die ich schlüpfen konnte: Und da war Clyde geboren.

Ich legte also fest, dass ich zu Anfang eine neutrale Person erzählen ließ (Laika) und später erst die richtige Erzählerperson: Clyde – oder Milo, wie er damals noch hieß (Ich habe ihn nämlich erst viel später Clyde getauft. Milo war nur eine Zwischenlösung.) Und dann schrieb ich. Schrieb und schrieb und schrieb und schrieb. Konnte bald schon mit zehn Fingern schreiben und plötzlich war ich fertig. Ich weiß es noch ganz genau: Es war etwa zwei Uhr nachts, als ich das letzte Wort tippte.
Insgesamt hat es fast ein Jahr gedauert dieses Buch zu schreiben, diese Geschichte zu erfinden. Es hat mich unendliche viele Nerven gekostet, hat ein paar Mal fast einen handfesten Familienkrieg entfacht (weil wir nur einen Laptop haben), aber auch unendlich viel Spaß gemacht, Clyde dauernd aus der Scheiße zu ziehen. Außerdem war es fast schon wieder lustig, meinen Bruder tagelang mit den Säbeln rasseln zu sehen, weil ich den Laptop belegte.

Übrigens habe ich immer noch keinen Laptop und schreibe immer noch alles auf der Familienkiste. Gefragt haben meine Eltern mich schon, ob ich einen eigenen haben wolle, aber sie haben mich vor die Wahl gestellt: Entweder ein Laptop … oder eine neue Trompete.
Was soll ich sagen … es ist die Trompete geworden.

Ach ja, und die meisten und besten Ideen für dieses Buch sind mir tatsächlich beim Duschen gekommen.


Jugendbuchpreis 2017:

Henriette H. Settmacher – Zwischen Schreiben und Teenager sein

Wir haben Henriette gefragt, ob sich ihr Leben durch die Buchveröffentlichung verändert hat oder sogar sie sich selbst. Zwischen Schule, der Verantwortung der Familie und den Freunden gegenüber, ein Leben als Autorin zu führen – sei es als Bloggerin oder im Rahmen von »Hinter dem Spiegel« – ist sicher nicht immer so einfach, raubt oft Zeit und hinterlässt Spuren. Wie es ihr damit geht und was sich verändert hat, hat sie uns erzählt.


 

»Ein Jahr ist eine ziemlich lange Zeit. Innerhalb von dreihundertsechzig Tagen kann unheimlich viel passieren. Einiges hat sich in meinem Umfeld verändert, aber habe ich mich selbst eigentlich verändert?

Ich werde ganz am Anfang der Veränderung und ganz am Anfang des einen Jahres zwischen jetzt und damals beginnen.

Die Inspiration für „Hinter dem Spiegel – Tödliche Dornen“ kam um einiges plötzlicher als die für Teil zwei. Ich habe die Frage, was mich inspiriert hat, „Hinter dem Spiegel – Tödliche Dornen“ zu schreiben schon oft beantwortet. Aber noch nie die nach der allgemeinen Inspiration. Ich bin ein Mensch, der sich viel durch eigene Erlebnisse und Bilder inspirieren lässt.

Henriette Settmacher Jugendbuchpreis 2017Manchmal passiert mir etwas, oder ich schnappe irgendetwas auf, und schon muss ich es aufschreiben. Bei Bildern ist das etwas anderes. Wenn ich irgendwo ein Bild finde, dass mir gefällt, dann beginnt mein Unterbewusstsein das Bild so in eine Handlung umzuwandeln, dass es mich tatsächlich weiterbringt.

Ich bekomme meine Inspiration also aus ziemlich vielen Quellen des Alltages und Freunde und Verwandte inspirieren mich außerdem.

Innerhalb eines Jahres habe ich auch neue Menschen kennengelernt und einige Menschen tatsächlich durch meinen Debütroman. Ich habe sehr nette und kreative Menschen über Instagram oder ähnliche soziale Netzwerke kennengelernt, die sich genauso sehr für das Schreiben begeistern wie ich. Außerdem durfte ich einige Blogger kennenlernen, die mich in ihrer Art verzaubern.

Meine alten und neuen Freunde stehen immer hinter mir und ich weiß, dass ich mich immer auf sie verlassen kann – auch wenn meine eigenen Freunde mich, besonders am Anfang, anders behandelt haben.

Ich habe oft ungläubige Blicke bekommen oder Fragen wie: „Ach echt?“, und dann eine hochgezogene Augenbraue, die ich den meisten nach einigen Wochen gerne aus dem Gesicht radiert hätte. Andere wiederum waren plötzlich wesentlich netter zu mir.

Jetzt, fast ein Jahr später, nachdem ich Teil eins veröffentlicht habe, hat sich das allerdings alles wieder gelegt und die meisten sind wieder so, wie sie vor einem Jahr waren.Henriette Settmacher Jugendbuchpreis 2017

Aber die Frage war ja, ob ich mich verändert habe. Mein Alltag hat sich auf jeden Fall in gewissem Maße verändert. Ich habe keinen strikten Zeitplan, an den ich mich halten muss, geschweige denn richtig durchgeplante Schreibzeiten. Natürlich plane ich ab und zu einige Stunden ein, an denen ich mich einfach hinsetze und drauflos schreibe. Aber besonders die Zeit, die ich mit dem Planen und dem Notizenschreiben verbringe, haben definitiv überhandgenommen und nehmen einen wesentlich größeren Teil meiner Freizeit ein, als noch vor einem Jahr.

Dadurch, dass sich mein Alltag verändert hat, hat sich auch mein Leben von Grund auf verändert. Vor einem Jahr hätte ich niemals gedacht, dass ich so viele tolle Menschen durch mein Buch kennenlernen würde, dass mich tatsächlich Leute auf der Buchmesse besuchen kommen würden, oder das eine Reihe von Menschen, bei allem, was ich für das Buch tue, mitfiebern.

Also um die Frage zu beantworten, ob ich selbst mich verändert habe: Ja. Ja, ich habe mich verändert. Nicht maßgeblich, aber auf jeden Fall spürbar.

Alles, was um mich herum passiert hinterlässt natürlich spuren, ob nun positiv oder negativ … Aber durch die Veröffentlichung meines ersten Buches bin ich wesentlich zielstrebiger und ehrgeiziger geworden, allerdings sicherlich auch um einiges sturer.

Das Schreiben ist meine Welt und ich würde das vergangene Jahr gegen nichts auf der Welt tauschen.«

Henriette Settmacher Jugendbuchpreis 2017

Henriettes 2. Buch erschien im Frühjahr 2018 auch bei uns: ISBN 978-3-03831-180-5, Taschenbuch mit 469 Seiten, 12,80€


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