Winkelfehlsichtigkeit (Dr. Gorzny)
€26,00
Dieses Buch möchte nicht spalten, sondern einen über 70 Jahre andauernden Streit um die Winkelfehlsichtigkeit (Heterophorie) beenden. Sehen ist Hochleistungsarbeit des Körpers: Zwei Augen liefern synchron einen farbigen, dreidimensionalen Film, mit enormem Energieaufwand und feinster Muskelkoordination. Wenn die Augen nicht exakt zusammenarbeiten, müssen sie ständig nachjustieren – das nennt man Winkelfehlsichtigkeit.
Während Augenärzte Heterophorie dissoziiert messen (Trennung beider Bilder), entwickelte der Optiker Hans-Joachim Haase in den 1950ern die assoziierte Messung mit dem Polatest-Gerät – die sogenannte MKH-Methode, bei der das zentrale Sehen getrennt, das Umfeld aber erhalten bleibt. Sie wird von Augenoptikern erfolgreich angewandt, von Augenärzten jedoch abgelehnt – was zu einem bis heute andauernden berufspolitischen Konflikt führte.
Dabei zeigen meine eigenen Erfahrungen mit über tausend Patienten, dass MKH-Messungen zu deutlich besseren Ergebnissen führen – sowohl bei der Anpassung von Prismenbrillen als auch bei operativen Korrekturen. Winkelfehlsichtigkeit beeinflusst viele körperliche und psychische Funktionen: von Haltungsproblemen über ADHS bis hin zu Legasthenie. All das kann durch Korrektur gelindert oder sogar geheilt werden.
Trotzdem verweigern sich die meisten Augenärzte der MKH, obwohl das Verfahren längst verfügbar ist. Als Augenarzt mit enger Zusammenarbeit mit Augenoptikern plädiere ich für ein Ende der Blockade – zugunsten der Patienten. Dieses Buch zeigt anhand von Fallbeispielen und Analysen, dass MKH ein praktikabler und notwendiger Weg ist – und dass Krankenkassen die Kosten dafür übernehmen sollten.
Winkelfehlsichtigkeit: Eine Störung des beidäugigen Sehens mit weitreichenden Folgen, Dr. med. Fritz Gorzny, Klappenbroschur, 406 Seiten, 26€





Nicola Seinsch –
Dr. med. Fritz Gorzny widmet sich in seinem Buch einem komplexen und seit Jahrzehnten kontrovers diskutierten Thema: dem binokularen Sehen und der Winkelfehlsichtigkeit.
Besonders interessant ist die historische Darstellung der MKH-Methode, die von Hans Joachim Haase entwickelt wurde, sowie der damit verbundenen fachlichen Auseinandersetzungen zwischen Augenärzten und Augenoptikern. Gorzny verbindet diese Geschichte mit seinen langjährigen Erfahrungen aus der klinischen Praxis und zahlreichen Patientenbeobachtungen.
Das Buch macht anschaulich deutlich, wie präzise beide Augen zusammenarbeiten müssen, damit ein stabiles räumliches Sehen entsteht. Gleichzeitig regt es dazu an, Beschwerden und individuelle Seherfahrungen der Patienten stärker zu berücksichtigen.
Ein weiterer Schwerpunkt sind mögliche Zusammenhänge zwischen binokularen Sehstörungen und verschiedenen Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen, ADHS, Lese- Rechtschreibstörung, Rechenstörung, motorische Störungen, psychische Störungen, Depressionen und andere. Hier bietet das Buch interessante Denkanstöße, die zur Diskussion anregen.
Fazit:
Ein engagiertes und persönlich geprägtes Buch, das medizinische Erfahrung, die Geschichte der MKH-Methode und die Perspektive der Patienten miteinander verbindet. Es ist nicht nur für Augenärzte und Augenoptiker interessant, sondern für alle Ärzte und Therapeuten und für alle die, die unter oben genannten Beschwerden leiden. Denn alle sollten sich intensiver mit dem binokularen Sehen und dessen Auswirkungen beschäftigen.
Eine lesenswerte Dokumentation eines jahrzehntelangen fachlichen Diskurses und ein Plädoyer dafür, dem beidäugigen Sehen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.